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eSports - Ein rechtsfreier Raum?

Überlegungen zu Computerspiele-Wettkämpfen

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Weitgehend unbeachtet von der sportbegeisterten Bevölkerung hat sich eine Parallelwelt des Wettkampfs entwickelt, in der junge Computerspieler ihr Können weltweit messen. Die Beteiligten nennen diese Welt "eSports" (oder E-Sport auf Deutsch, aber Deutsch wird kaum gesprochen). Sie findet zwar mit elektronischen Hilfsmitteln - nämlich Computern - statt, trotzdem gibt es viele Parallelen zu herkömmlichen Sportarten:

Trotz aller dieser Parallelen kämpfen die eSportler - oder professionelle Gamer - in Deutschland um eine Anerkennung als Sportler. Nicht zuletzt hängt das damit zusammen, dass die Organisation der entsprechenden Wettbewerbe vollständig im privaten Sektor stattfindet und sich zu großen Teilen im rechtsfreien Raum abspielt.

Im Gegensatz zu den traditionellen Sportarten, die über Verbände organisiert sind, die eine gewisse Kontrolle über die Fairness der Teilnehmer und Teilnahmebedingungen gewährleisten, ist die eSports-Szene vom privaten gewerblichen Rechtsschutz dominiert. Schon der Name der Europäischen Liga - ESL (Electronic Sports League) - ist als Marke für ein privates Unternehmen registriert, ebenso wie die "Bundesliga" der eSportler, die "ESL Meisterschaft", neben einer Vielzahl weiterer synonymer Begriffe aus diesem Bereich. Markeninhaber und damit finanzieller Nutznießer aller europäischen eSports-Wettbewerbe ist die Turtle Entertainment GmbH aus Köln. Schon 2013 lag deren Umsatz bei ca. 4,3 Mio Euro.

Aber nicht nur die Ausrichter, auch die teilnehmenden Teams sind sehr stark mit gewerblichen Interessen und Sponsoren verzahnt. So gibt es zwar als Verein organisierte Teams mit sympathischen Namen wie "Team Mousesports", aber es gibt deutlich mehr Teams, die die Namen ihrer Sponsoren (meist Hersteller von Computer-Hardware oder -zubehör) tragen und sogar als GmbH aufgestellt sind. Das kennt man allerdings auch aus anderen Sportarten, wie z.B. "Team Telekom" im Radsport.

Bisher ist den eSports in Deutschland die Anerkennung als Sportart versagt geblieben. Wir Deutschen hegen offensichtlich aus Tradition ein gesundes Mißtrauen gegen Computer und Internet, wie z.B. Kreditkartenzahlung. Auf zwei treuherzige Nutzer der Generation "WhatsBook" kommt immer auch einer, der nach Datenschutz ruft. Computerspielen haftet in Deutschland der Ruf des Unseriösen und des Escapismus an; ganz anders als in Amerika oder Asien, wo Gamer gefeierte Idole sind. So verweigert sowohl der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), ebenso wie auch schon seine Vorgängerorganisation, der Deutsche Sportbund (DSB), dem E-Sport die Anerkennung als Sportart unter Hinweis auf eine "fehlende eigenmotorische Leistung" und tut sie als "Denkspiele" ab. Auch Schach sei zwar ein Denkspiel, heißt es von dort, aber dessen Anerkennung als Sport habe ja historische Gründe. Damit sagt man durch die Blume, dass ein E-Sportler wohl die ganze Zeit auf seinem Hintern sitze. Das tut ein Radrennfahrer allerdings auch und so mancher Fußballtrainer würde sich sicherlich das komplexe taktische Verständnis eines Gamers für den ein oder anderen Feldspieler wünschen...

Spott beiseite; ein Argument, das jedenfalls nachvollziehbar ist, sind die im Vordergrund stehenden finanziellen Interessen aller Beteiligten. Man stelle sich vor, ALDI hätte das Recht, den Begriff (Fußball-)"Bundesliga" an die Vereine zu lizenzieren. Ein Unding. Oder wenn am Ende zusammen mit dem Meistertitel ein Preisgeld von 1 Million Euro in Aussicht stünde... die weiteren Folgen einer privat, ohne die Aufsicht von Verbänden organisierten Bundesliga liegen auf der Hand:

  • Versuche einzelner Spieler, sich unfaire Vorteile durch Doping (und seien es "nur" Energiedrinks) oder Cheats zu verschaffen: Keine Sanktionsmöglichkeiten durch Verbände
  • Private Entscheidungen des Veranstalters mit eigenen Schiedsrichtern, z.B. über Disqualifikation: Rechtsweg unsicher oder ausgeschlossen
  • Kein einheitliches Rechtssystem
  • Spieler können nach Belieben die Teams wechseln

Mit Sport hat das in der Tat derzeit noch nicht wirklich viel zu tun, denn wir verbinden mit diesem Begriff automatisch auch "sportliches Verhalten", also Fairness. Wenn aber ein Wettbewerb ausschließlich unter den Vorzeichen finanzieller Interessen steht, fördert das nicht unbedingt das Beste in uns. Dass aber auch traditionelle Sportarten mit all ihren Kontrollsystem gegen den Lockruf des Geldes nicht immun sind, zeigt das aktuelle Beispiel des FIFA-Funktionär-Skandals. Sportler sollen aber Vorbilder für alle sein, dafür, wie jeder mit starkem Willen über sich hinaus wachsen kann. Allerdings muss auch bedacht werden, dass viele Gamer noch sehr jung sind.

Um im Bereich eSports etwas ändern zu können, sind tiefgreifende Veränderungen notwendig. Dazu gehört die Schaffung von Verbänden (ein Unterfangen, welches in der Vergangenheit nicht von Erfolg gekrönt war) oder wenigstens ein übergreifendes System von Vorschriften; die Löschung von Marken, die freihaltebedürftige Begriffe wie "Meisterschaft" privatisieren; und nicht zuletzt den Willen aller, sich allein um der Geschicklichkeit und des Könnens willen aneinander zu messen.

Erste Bestrebungen sind erkennbar, aber die Anstrengungen wirken halbherzig. So hat Turtle Entertainment mit der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) Kontakt aufgenommen und sie um Aufklärungsarbeit gebeten. Damit ist gemeint, die NADA soll bei Wettbewerben einen Stand bekommen, Flyer verteilen und Stichproben bei den Spielern durch führen. Mehr als ein pflichtbewusstes Kopfnicken ist das aber nicht, denn entsprechende Kontrollen der Gamer sind freiwillig, von vorneherein bekannt und die Anordnung von Strafen mangels Aufsichtsinstanz kaum durchsetzbar. Der Chefjustiziar und Vorstand der NADA, Dr. Lars Mortsiefer, hat in einem Gespräch mit Rechtsanwalt Schaller auch Zweifel angemeldet, ob auf diese Weise bereits tiefgreifende Veränderungen eingeleitet werden können.

Veränderungen können hier wohl nur von unten kommen. Wenn Gamer als Sportler Anerkennung finden wollen, müssen sie sich selbst motivieren können - der Erfolg muss vor allem seine eigene Belohnung sein, damit ein Umdenken stattfinden kann. Dabei müssen Preisgelder ja nicht ausgeschlossen sein, wie man am Beispiel Poolbillard sehen kann - eine olympisch anerkannte Sportart übrigens, die mit eSports enorm viel gemeinsam hat, lieber DOSB: Hand-Auge Koordination, viel Konzentration, wenig, aber enorm kontrollierte Bewegung und eben attraktive Preisgelder.

Rechtsanwalt Jörg Schaller wird sich für mehr Fairness und Anerkennung von eSports einsetzen. Unterstützen wird uns Robert Deller, ehrenamtlicher Richter am DFB-Sportgericht, mit seiner enormen Erfahrung. Anfragen zum Thema sind herzlich willkommen. Hierzu werden wir demnächst die Plattform esportslaw.de einrichten. (js)

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Anschrift

Jörg Schaller
Rechtsanwalt

Bahnhofstraße 11
51143 Köln
Tel.  +49 221 997 996 43
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