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Ticketerstattung und Vorverkaufsgebühren

Es sollte der große Moment des Standorts Köln im Tennis sein: Zwei ATP 250 Turniere von jeweils einer Woche im Oktober 2020 in der LANXESS Arena (früher KölnArena, von den Eingeborenen auch liebevoll "Henkelmännchen" gennant). Die Veranstalter hatten dafür zwei Indoor-Plätze in der Halle aufgebaut.

Die Eintrittskarten verkauften sich wie warme Semmeln - in kürzester Zeit waren die Tickets bei den üblichen spezialisierten Anbietern wie Eventim oder derticketservice vergriffen, obwohl eine Abgabebeschränkung von 2 Tickets pro Käufer bestand. Das Turnier begann im Rahmen des zu Erwartenden relativ normal, auch wenn einer der zwei Plätze nicht für Zuschauer zugelassen war (wegen der geltenden Corona-Verordnung der Stadt Köln wurden die dort gespielten Tennis-Doppel als Teamsportart angesehen, für die ein Zuschauerverbot galt).

Doch dann der Schock: Wie der Opens external link in new windowWDR berichtete, hatte die Stadt Köln wegen der steigenden Infektionszahlen kurz nach Turnierbeginn angeordnet, dass schon ab dem ersten Mittwoch nur noch maximal 250 Zuschauer täglich die Halle betreten dürften. Daraufhin beschlossen die Veranstalter, die Veranstaltung komplett ohne Zuschauer durchzuführen, wie Sprecherin Barbara Rittner in einem Interview am 13.10.2020 mitteilte. Die Ticketpreise würden erstattet.

Bereits am 20.10.2020 erreichte eine Mandantin von uns folgende E-Mail von derticketservice.de:

 

Sehr geehrte Frau XY,

leider musste die Veranstaltung "bett1HULKS Indoors" am 16.10.2020 wegen Corona ohne Zuschauer stattfinden.Wir bedauern dieses sehr und möchten Sie gerne über den weiteren Ablauf informieren:

Der von Ihnen gezahlte Betrag wird automatisch auf das beim Kauf verwendete Zahlungsmittel erstattet. Eine Rücksendung der Tickets oder eine Rückmeldung per Mail ist hierfür nicht notwendig. Insofern uns kein gültiges Zahlungsmittel von Ihnen vorliegen sollte, kontaktieren wir Sie in einer seperaten Mail.

Bitte beachten Sie, dass von uns der Kartenwert exklusive der Vorverkaufsgebühren sowie der Versandkosten erstattet wird - was wir Ihnen gerne kurz erklären möchten:

Als Ticketverkäufer sind wir sehr stark von der aktuellen Situation betroffen. Fast alle in den letzten 18 Monaten verkauften Tickets muss von uns rückabgewickelt werden, da die Veranstaltungen nicht stattfinden.

Mit den beim Verkauf der Tickets vereinnahmten Vorverkaufsgebühren sind unsere laufenden Kosten (insbesondere: Lohnkosten) finanziert worden, ebenso wie die Bewerbung, die Bereitstellung, der Verkauf und alle weiteren Serviceleistungen rund um den Ticketvertrieb. Deshalb sind wir jetzt darauf angewiesen, dass unsere Kunden auf die Rückzahlung der Vorverkaufsgebühren verzichten!

Bisher konnten wir - durch unternehmensweite Kurzarbeit - Kündigungen vermeiden und alle Arbeitsplätze erhalten.

Wir hoffen sehr, dass auch Sie uns unterstützen und möchten Ihnen dafür im Voraus ganz herzlich danken!

Mit freundlichen Grüßen

 

Kein Name, keine Signatur (= das "Impressum" der E-Mail). Lediglich an der Absenderadresse DERTICKETSERVICE <[email protected]> war ersichtlich, wer für den Inhalt verantwortlich sein wollte. Tatsächlich wurde an unsere Mandantin von den ursprünglich am 23.09.2020 für zwei Tickets gezahlten 98,40 EUR knapp einen Monat später ein Betrag von 80,98 EUR erstattet.
Der Ticketservice hatte also einen Differenzbetrag von 17,42 EUR an Vorverkaufsgebühren und Versandkosten einbehalten. Zu Recht?

Eine Rolle spielt dabei das Opens external link in new window"Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht". Danach darf der Veranstalter von Freizeit- und Sportveranstaltungen statt einer Rückzahlung derzeit Gutscheine für eine Folgeveranstaltung anbieten, ausser dem Verbraucher wäre das nicht zumutbar. Gutscheine kamen vorliegend offensichtlich nicht in Frage, da keine Folgeveranstaltung geplant ist.

Zu erstatten sind dabei auch Vorverkaufsgebühren. Gesetzliche Sonderregelungen für Verbraucher finden sich jetzt in Opens external link in new windowArt. 240 EGBGB. Dort heißt es in § 5:

 

§ 5 Gutschein für Freizeitveranstaltungen und Freizeiteinrichtungen

 

(1) Wenn eine Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstige Freizeitveranstaltung aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht stattfinden konnte oder kann, ist der Veranstalter berechtigt, dem Inhaber einer vor dem 8. März 2020 erworbenen Eintrittskarte oder sonstigen Teilnahmeberechtigung anstelle einer Erstattung des Eintrittspreises oder sonstigen Entgelts einen Gutschein zu übergeben. Umfasst eine solche Eintrittskarte oder sonstige Berechtigung die Teilnahme an mehreren Freizeitveranstaltungen und konnte oder kann nur ein Teil dieser Veranstaltungen stattfinden, ist der Veranstalter berechtigt, dem Inhaber einen Gutschein in Höhe des Wertes des nicht genutzten Teils zu übergeben.

(2) Soweit eine Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstige Freizeiteinrichtung aufgrund der COVID-19-Pandemie zu schließen war oder ist, ist der Betreiber berechtigt, dem Inhaber einer vor dem 8. März 2020 erworbenen Nutzungsberechtigung anstelle einer Erstattung des Entgelts einen Gutschein zu übergeben.

(3) Der Wert des Gutscheins muss den gesamten Eintrittspreis oder das gesamte sonstige Entgelt einschließlich etwaiger Vorverkaufsgebühren umfassen. Für die Ausstellung und Übersendung des Gutscheins dürfen keine Kosten in Rechnung gestellt werden.

 

Opens external link in new windowDie Verbraucherzentrale z.B. stellt dann auch lapidar fest: "Die Durchführung ist rechtlich gesehen unmöglich geworden. Dann können Sie die Karte zurück geben, den Eintrittspreis und die Vorverkaufsgebühren zurückverlangen."

Tatsächlich war aber hier die Durchführung der Veranstaltung noch rechtlich möglich, der Veranstalter hatte aber von sich aus beschlossen, sie nicht unter Auflagen durchzuführen, sondern die Besucher komplett auszuladen.
In solch einem Fall, wenn der Stornierungsgrund in der Spähre des Veranstalters liegt, dürfte eine Pflicht zur Rückerstattung von mit dem Ticket verbundenen Kosten und Gebühren wohl kaum in Zweifel gezogen werden können. Anders ist es vielleicht zu beurteilen, wenn die Absage vom Verbraucher aus erfolgt wäre. Dann könnten Kosten und Gebühren durchaus einbehalten werden, solange dies vertraglich oder in allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbart war.

Wohlwissend hatte der Ticketservice sein Schreiben denn auch wie eine Bitte formuliert. Daher haben wir unserer Mandantin folgenden Antworttext empohlen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf die Rückzahlung der von Ihnen einbehaltenen Gebühren kann ich leider nicht verzichten. Auch meine Familie ist von Corona betroffen und muss Einbussen hinnehmen.

Die Veranstaltung war auch nicht durch höhere Gewalt unmöglich - etwa durch Veranstaltungsverbot - , sondern wurde vom Veranstalter selbst abgesagt, da dieser den Corona-bedingten Auflagen der Stadt Köln nicht nachkommen wollte. Im übrigen handelt es sich meiner Ansicht nach bei den Vorverkaufs- und Versandgebühren nicht um einen Schaden des Veranstalters, sondern des Ticketservices. Ich gehe insofern davon aus, dass Sie gegen diesen Ausfall versichert sind, bzw. diesen beim richtigen Ansprechpartner, dem Veranstalter, geltend machen werden.

Einem Einbehalt der Gebühren, den ich auch nur als Vorschlag verstehe, kann ich daher leider nicht zustimmen und bitte um Überweisung des Restbetrags von 17,42 EUR auf das von mir beim Kauf der Tickets verwendete Zahlungsmittell bis zum (Frist zwei Wochen). Vielen Dank im Voraus!

Mit freundlichen Grüßen

 

Sollte nach zwei Wochen kein Geld eingegangen sein, werden wir den Fall in unserer Kanzlei weiterverfolgen und dann auch Rechtsanwaltsgebühren geltend machen müssen.

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