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Von Recht nach links - wenn eine Abmahnung politisch wird

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Dass man sich als Anwalt, der Urheber vertritt und speziell im Bildrecht tätig ist, wenig Freunde macht, dürfte ja hinreichend bekannt sein. Dass aber unberechtigte Nutzer eines Fotos eine Abmahnung nutzen, um die politische Szene zu aktivieren, ist auch uns neu.

Wir vertreten das Fotoarchiv des bekannten Berliner Fotografen Opens external link in new windowWolfgang Krolow, der leider im vergangenen Jahr verstorben ist. Krolow hat sich besonders dadurch einen Namen gemacht, dass er Szenen aus dem Berliner Viertel Kreuzberg und deren Menschen in oft sozialkritischer Art abgelichtet hat. Sein Werk ist in vielen Bildbänden und Online-Hommagen, wie zum Beispiel beim Opens external link in new windowTagesspiegel, gut dokumentiert.

Dem Opens external link in new windowFotoarchiv Wolfgang Krolow ist nun daran gelegen, das Andenken und die Bekanntheit seiner Werke aufrecht zu erhalten und weiter zu verbreiten. Krolow selbst hatte zu Lebzeiten sein Bedauern darüber geäußert, dass seine Fotos zwar eine gewisse Bekanntheit erlangt hätten, ihm deren Verwertung aber nicht recht gelingen wolle.

Das ist ein Dilemma, vor dem heutzutage noch mehr Kreative als früher stehen: Praktisch jeder kann die Schnappschüsse und Videos seines Handys einfach in der Öffentlichkeit publizieren. Durch ein Überangebot an trivialen Veröffentlichungen sinkt nach unserer Meinung die Wertschätzung für wirklich gute Arbeiten. Und um solche handelt es sich zweifelsohne bei den Fotos von Wolfgang Krolow.

Medialen Erfolg haben unserer Ansicht nach heutzutage Künstler oftmals nicht wegen der Qualität ihrer Werke, sondern solche Personen, die durch ausgefeilte Selbstdarstellung glänzen. Dieser Trend wird nach unserer Meinung über kurz oder lang dazu führen, dass Kreative keinen Anreiz mehr für einen Schaffensprozess haben und die Gesellschaft von einer Flut von laut, krass und Schock überschwemmt werden wird. In unserer Berufspraxis sind Künstler, die ihre künstlerische Vision durch Nebenjobs wie Kellnern finanzieren müssen, keine Seltenheit. Wer selbst kreativ ist, weiß, dass man für einen Schaffensprozess aber Ruhe und viel Zeit am Stück benötigt. Der Archetypus des armen Künstlers, der sein Los in seinen Werken kathartischen verarbeitet, mag auch heute noch zu einem gewissen Grade existieren. Wichtig ist aber nach unserer Erfahrung Anerkennung, und eben auch finanzielle Anerkennung. Wir vertreten immer wieder Kreative, die an der Armutsgrenze leben und solcher Anerkennung hinterherlaufen müssen. Als Anwalt verzichtet man übrigens in diesen Fällen auf Vorschüsse und verbindet sein Wohl und Wehe mit dem Mandanten.

Da helfen unserer Ansicht nach auch nicht die Stimmen, die fordern, dass alle Werke zum allgemeinen Kulturgut werden sollen. Seien es Filme, Bücher, Musik oder Fotos, da solche Werke für die Allgemeinheit geschaffen würden, sollte die Allgemeinheit sie auch umsonst genießen dürfen, heißt es oft. Solches Gedankengut wird tatsächlich vielfach einer linken Denkweise zugeschrieben. Eine Gesellschaft, in der jede Art von Arbeits- oder Denkleistung gleich wertgeschätzt und die vom Austausch solcher Leistungen leben würde, ist aus unserer Sicht sicherlich eine schöne und auch wünschenswerte Utopie. Leider scheitert dieses Konzept in der Realität nach unserer Erfahrung aber daran, dass eben nicht alles mit dem gleichen Wert belegt wird, und vor allen Dingen die Menschen sich auch nicht als gleich ansehen. Wer also konkret fordert, urheberrechtlich geschützte Werke umsonst nutzen zu dürfen, handelt unserer Auffassung nach in Wirklichkeit oftmals ganz Ich-bezogen. Tatsächlich geht es nämlich unserer Meinung nach regelmäßig darum, eine Leistung ohne Gegenleistung zu erhalten.

Einen Mittelweg hatte die Politik versucht, über die sogenannten "Kulturflat" zu finden. Danach soll der Verbraucher eine Pauschale zahlen und damit berechtigt sein, alle Werke aller teilnehmenden Künstler zu nutzen. Das ist bisher aber daran gescheitert, dass sich die Urheber nicht auf die Höhe der Pauschale oder auf einen Verteilungsschlüssel für die Auskehr der Einnahmen einigen konnten (wer sich auskennt, weiß, dass z.B. die GEMA aus ihren Einnahmen für Musik an wenige Musiker viel und an den Rest wenig ausschüttet).

Kommen wir zu dem konkreten Fall:

Im Auftrag des Archivs Wolfgang Krolow haben wir einen Webshop abgemahnt, der Textilerzeugnisse anbietet, auf denen ein Foto von Wolfgang Krolow aufgedruckt ist. Es handelt sich um das Opens external link in new windowFoto spielender Kinder, die über ein Autowrack hüpfen. Das Foto wurde aber zusätzlich mit dem Slogan "We don't want just one cake, we want the whole fucking bakery", wobei in dem Wort "want" das „A“ als Symbol der Friendesbewegung bzw. des Anarchismus ("zerschlagt den Staat") stilisiert ist.

Unsere Tätigkeit wurde von den Opens external link in new windowAbgemahnten mit einem Blog-Beitrag am 07.10.2020 kommentiert. Wir nehmen diesen Artikel als Wutäußerung wahr, der aber einige Halbwahrheiten und Verzerrungen enthält. Solche öffentlichen Äußerungen werden unserer Erfahrung nach besonder dann getan, wenn es um Geld geht. Tatsächlich finden wir selbst manchmal Forderungen anderer Urheber unangemessen hoch (besonders, wenn diese von spezialisierten Großkanzleien mittels textbausteinartigen Briefen geltend gemacht werden) und würden uns insofern eine Reform des Urheberrechts wünschen.

Da es aber auch um den guten Ruf unseres Auftraggebers und unserer eigenen Kanzlei geht, erlauben wir uns, nachfolgend einige Aussagen in dem Artikel klarzustellen. Formulierungen, die dort aber speziell darauf zielen, uns oder unserer Mandantschaft Willkür oder Geldschneiderei zu unterstellen, werden wir auch gesondert juristisch verfolgen. Unsere Mandantschaft liegt es fern, sich bereichern zu wollen.

 

"Ursprünglich stammt [das Foto] allerdings von Wolfgang Krolow, einem Fotografen des Neuen Berliner Realismus, der in seiner Anfangsphase ebenfalls deutliche Szenebezüge hatte und auch beibehielt. Das wussten vermutlich die wenigsten, wir auch nicht – bis uns Anfang des Monats ein Brief einer Rechtsanwaltskanzlei erreichte. Diese vertrete die Erbin von Wolfgang Krolow und forderte nebst einer Unterlassungserklärung, auch einen Einblick in unsere Zahlen (um uns danach eine heftige Abmahnung schicken zu können)."

 

Die besagte Abmahnung hatten wir Ende August verschickt und darin zunächst aufgefordert, insgesamt 11 Produkte mit aufgedruckten Foto zu entfernen. Eine Geldforderung war damit nicht verbunden. Tatsächlich wollten wir aber Einblick in die Verkaufszahlen haben. Verein oder nicht, wer mit fremden Fotos ohne Nutzungserlaubnis Geld macht, dem stehen diese Einnahmen nicht zu. Wolfgang Krolow hatte jedenfalls von den Verkäufen nie einen Cent zu Gesicht bekommen, geschweige denn von den Verkäufen gewusst.

Danach folgen dann in dem Artikel Erwägungen zum Wert eines Urheberrechts. Vorhersehbar meint der Verfasser, dass Copyright den Kreativen hemme und "jegliches geistiges Eigentum für uns Diebstahl und kleinkarierter, fortschrittsfeindlicher Humbug ist". Der Vergleich mit Diebstahl scheint uns nicht falsch zu sein, aber der Gedanke müsste unserer Meinung nach auf die andere Seite der Gleichung angewendet werden.

Wenn der Verfasser danach noch ausführt, "versuchen wir selbstredend Grafiker:innen, Fotograf:innen und alle anderen kreativ Schaffenden zu supporten", so können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es beim Versuch bleiben soll. Konkrete Beispiele werden jedenfalls nicht genannt.

 

"Eins steht jedenfalls so oder so fest: aus dem kreativen Schaffen Anderer, wird sich hier nicht bereichert (was als not-for-profit Mailorder auch irgendwie unmöglich ist)."

 

Uns liegen die Verkaufszahlen vor und es wurde Gewinn und nicht nur Umsatz gemacht und zwar über viele Jahre. Wohin dieser geflossen ist, wissen wir nicht, zu den Urhebern jedenfalls nicht.

 

"Also schrieben wir der Erbin einen Brief und schlugen ein Gespräch auf Augenhöhe vor, um den Sachverhalt zu klären, schließlich bestand ja auch die Möglichkeit, dass sie uns für eine kommerzielle Klitsche hielt, die rücksichtslos alles verwertet was irgendwie passt. Leider wurde unser Schreiben abgewatscht – und zur Krönung uns noch unterstellt, wir würden mit dem Verkauf des Bildes zusammen mit der politischen Parole, auch noch das Andenken an Wolfgang Krolow ›beschmutzen‹."

 

Dies entspricht nicht den Tatsachen. Niemand wurde im Sinne einer Ohrfeige "abgewatscht". Unter einer Ohrfeige verstehen wir eine abwertende und verletzende Äußerung. Wir haben vielmehr zum Ausdruck gebracht, dass der Brief und das darin enthaltende Schuldeingeständnis wohlwollend aufgenommen wurde und bei den Verhandlungen berücksichtigt wird. Geldforderungen standen zu dem Zeitpunkt immer noch nicht im Raum.

Das Argument, was uns bei praktisch jedem Fall entgegen gehalten wird - man habe ja von der Urheberschaft nichts gewusst -, ist nach unserer Auffassung nur ein Scheinargument. Es geht unserer Ansicht nach eigentlich darum: Hätte man es aber wissen können? Bei kommerzieller Verwertung eines Fotos muss die Antwort „ja“ sein. Es ist nach höchstrichterlicher Auffassung Pflicht des Verwenders, sich über die bestehenden Rechte zu informieren, egal wie aufwendig das sein mag. In Zeiten von Internet und Google ist eine vergleichende Bildsuche nur noch eine Sache von Minuten.

 

"Allerdings kommt für uns da noch etwas anderes ins Spiel: Erben? Was ist denn das eigentlich für ein bescheuertes Konzept und warum wird es so wenig thematisiert? Einige privilegierte reiche Leute, geben ihre Privilegien qua Blutlinie weiter und verfestigen so für immer und ewig die ursprüngliche Akkumulation!?"

 

Es grenzt schon an billige Rhetorik, ja Demagogie, wenn pauschal gegen die Reichen und Privilegierten gewettert wird, ohne dass hier ein konkreter Bezug besteht. Weder der Fotograf Wolfgang Krolow noch die Archivverwaltung zählen zu dieser Gruppe.

 

"Nun steht das Recht schon immer auf der Seite der Besitzenden – und daher ist es kein Wunder, dass die Erbin von Wolfgang Krolow nun lieber die Vermittlung durch Anwälte und Gerichte sucht um ihr Eigentum zu mehren, statt einem Gespräch auf Augenhöhe zuzustimmen. Vermutlich geht sie auch davon aus, dass so mehr für sich raus zu holen ist – blöd nur, dass wir ›not-for-Profit‹ halt auch ernst meinen und die Umsätze von dem Motiv und insbesondere der Gewinn lächerlich gering ist. Nach Abzug ihrer Anwaltskosten wird da kaum was übrig bleiben. Unser Mitleid hält sich in Grenzen."

 

Unseres jetzt allerdings auch. Der in dem erwähnten Brief an die Erbin gezeigte goodwill dürfte mit diesem Artikel mehr als aufgebraucht sein, ja er war möglicherweise nur ein Vorwand, denn der Blog-Beitrag zeigt, wes Geistes Kind der Verein ist. Wie bereits dargestellt, geht es dort unserer Ansicht nach weder um politischen Aktivismus, noch um rechtliche Erwägungen. Vielmehr ärgert sich der Verfasser unserer Auffassung nach ganz Ich-bezogen, dass man in der Welt eben nicht machen kann, was man will - und dann noch auf Kosten und mit Mitteln anderer.

Die Verhandlungen zu diesem Fall laufen jedenfalls noch und als Medienkanzlei halten wir die Veröffentlichung eines solchen Blog-Artikels wie dem auf Black Mosquito für eine der psychologisch und rechtlich unglücklichsten Reaktionsmöglichkeiten.

(js)

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